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Autor: Gerwin Schweiger   Angepinnt: 03.08.20


Leserbrief zu:  Seit viereinhalb Monaten auf Entzug;  nd Die Woche 1./2 .August 2020

Corona und zwei Berliner "Mauerchöre"  

Es ist zweifellos sehr zu begrüßen, dass im "Neuen Deutschland" über die Stimmlosigkeit und Entzugserscheinungen der Berliner Chöre geschrieben wurde, vor allem aber auch - zumindest ansatzweise -, wie sie mit dieser Situation umgehen. Und dass dies am Beispiel zweier bedeutender Seniorenchöre Berlins, dem Ernst-Busch-Chor und dem Hanns-Eisler-Chor thematisiert werden sollte, weckte Anfangs Interesse.

Leider hielt der Beitrag nicht dass, was man sich von ihm versprach.

Neben einigen durchaus informativen Einschätzungen der beiden Chorleiter über die Stimmung in den betreffenden Chören und Aktivitäten der Sängerinnen und Sänger gegen die Entzugserscheinungen wurde bald klar, warum sich der Verfasser diese beiden Chöre scheinbar exemplarisch für die
Situationsbeschreibung in diesem Bereich ausgesucht hatte.

Es wurde mal wieder in die bekannte antikommunistische Mottenkiste zurück gegriffen, um - so ganz "zielführend" nebenbei - dem Leser zu vermitteln, dass es sich bei beiden Chören um Geschöpfe  aus "dem Umfeld einer sozialistischen Einheitspartei, allerdings auf der jeweils anderen Seite der Mauer" handelt.

Nun leugnet zwar keiner der beiden Chöre seine Vergangenheit und lieber links singen, als rechts gröhlen. Aber Seniorenchöre haben es so an sich, dass die Mitglieder meist nicht mehr sehr lange singen können, obwohl im Ernst-Busch-Chor zwei Sänger über 90 Jahre sind.

Und so sind nicht nur die allermeisten Mitglieder dieser Chöre andere als zu ihrer Gründung, sondern auch das heutige Repertoire beider Chöre hat sich verändert. Es beinhaltet ein breites Spektrum von Liedern von Beethoven über Eisler bis Theodorakis und Udo Jürgens. Es ist traditionell und zeitgemäß zugleich.

Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass es dem Autor  wohl weniger um das Dasein beider Chöre in der Corona-Zeit ging, sonst hätte er über die vielen Formen der Solidarität der Sängerinnen

und Sänger untereinander und mit ihren Chorleitern in beiden Chören berichten können. Sie singen nicht nur über Solidarität, sie praktizieren sie auch untereinander und gegenüber anderen.

Es ist bedauerlich, dass "Neues Deutschland" sich keine Mühe gemacht hat einen Berliner Journalisten zu finden mit profunderem Wissen über das Berliner Chorleben, bis hin zu Bildern, die jünger als 15 Jahre sind.

Man stelle sich mal vor, ob so etwas auch im Westen passieren könnte: Ein linker Berliner Journalist will im "Münchner Merkur" über die Gemütslage der Regensburger Domspatzen in der Corona-Zeit publizieren und streut scheinbar zufällig ein, dass es dort sexuelle Belästigungen von Chorknaben, drakonische Strafen etc. gegeben haben soll?

Wetten, dass man das dort nicht publiziert hätte? Denn, was hat das mit Corona zu tun?

Für eine sozialistische Tageszeitung kann man neben modernem layout wohl auch nach wie vor eine sozialistische Verantwortung der publizierten Beiträge gegenüber ihren Lesern und kein Nachplappern stereotyper westlicher Begriffe mit antisozialistischem Duktus erwarten. 


Autor: Renate Morchutt   Angepinnt: 02.08.20

Lieber Daniel,

sehr erfreut habe ich deine Zuarbeit (in Form eines Interviews) für den Beitrag von Rainer Rutz gelesen. Im Gegensatz zum damaligen Interview-Abdruck in der Jungen Welt erkenne ich dich hier in deinen Formulierungen sprachlich wieder.

Dass nun in dem Beitrag davon kaum etwas übrig geblieben ist, ist äußerst bedauerlich. Fragwürdig auch die Auswahl deiner Aussagen durch den Autor und ihre Einordnung in den gesamten Kontext. Es entsteht der Eindruck: Busch-Chor traurig, inaktiv und des Internets nicht mächtig. Eisler-Chor motiviert und singend unter der Brücke!

Darüber hinaus erschließt sich mir nicht, wozu der Autor das aktuelle Thema mit der ideologischen

Verortung der beiden Chöre (SED-SEW) als "Zwillingsprojekt" verknüpft hat. Wozu das große veraltete Foto, dass unseren Chor als "einstigen Veteranenchor der SED" darstellt? Aufgrund seiner offensiven Platzierung wird seine Aussagekraft noch verstärkt. Ein Schelm, wer Arges dabei denkt...

Offensichtlich hatte der Autor von vornherein beabsichtigt, einen Artikel (kein Interview!) zu veröffentlichen. Mit der inhaltlich umfangreichen Fragestellung hat er allerdings den gegenteiligen Eindruck und größere Erwartungen erweckt.

Aus journalistischer Sicht kann ich nur sagen: (Im besten Sinne) gut gedacht, (mit dem Griff in die Mottenkiste) schlecht gemacht. Und nicht gerade Werbung für unseren Chor. ND hin oder her.

Schade um deine Mühe, aber sie soll nicht umsonst sein. Wir als dein Chor finden uns in deinen Worten

wieder, sie machen uns Mut und wir wissen dein Engagement sehr zu schätzen.

Dein Einverständnis vorausgesetzt, schlage ich vor, dass wir deine Aussagen (ohne den Bezug zum ND)

zu einem kürzeren Artikel für unsere Chorzeitung umarbeiten. Außerdem könnten wir auch dem

"Chorspiegel" einen Text zur Veröffentlichung anbieten.

Nochmals danke und liebe Grüße

Renate

 

P.S. Is halt so 'ne Sache mit der Presse... 


Autor: Christa Labahn  Angepinnt: 02.08.2020

 

Lieber Daniel, 

wenn auch die Veröffentlichung im ND, gemischt mit dem Hanns-Eisler-Chor, nur wenig aus deinem detaillierten Interview beinhaltet: 

Es war ausgezeichnet. So, wie ich dich auf gleichem Gebiet erlebt habe. 


In einer Vorankündigung hatte der Fragesteller Rainer Rutz ja bereits angekündigt, dass er beabsichtigt, das Interview in einem Text zu verarbeiten, bei dem, das Volumen betrachtet, allerdings nicht sehr viel geblieben ist. Aber für unsere Sängerinnen und Sänger ist nun auf der Pinnwand das gesamte Interview zu lesen. 

Der Anerkennung sind damit keine Grenzen gesetzt.   


Was das im ND veröffentlichte Foto betrifft: Es ist sicher aussagekräftig hinsichtlich des Seniorenchors, aber aus "sehr alter Zeit". Es ist verwunderlich, dass im ND keine aktuelleren Aufnahmen verwendet werden. Da hätte sicher eine Anfrage an Dich bzw. an den Chor hilfreich sein können. Vielleicht war es auch gewollt... 


Einen guten Sonntag wünscht Dir 

Christa 


Autor: Ingrid Zander  Angepinnt: 02.08.2020

Lieber Dr. Rainer Rutz,


ich bin Sängerin des Ernst-Busch-Chores Berlin seit 2005.

Dass sich das ND Problemen der Chöre in der Coronazeit annimmt, finde ich schon löblich. Auch dass die Situation besonders Seniorenchöre betrifft, die ja eine besondere Risikogruppe darstellen, kann ich nachvollziehen.

Die Aufmachung des Artikels aber mit einem Bild, dass über 12 Jahre alt ist, spricht nicht gerade für die Aktualität einer Tageszeitung. Deutlich misslungen ist die Bildunterschrift ".....der einstige Veteranenchor der SED....."

Wir stehen zu unserer Geschichte und haben uns mit ihr aktiv auseinander gesetzt.

Doch diesen Chor gab es bis vor 30 Jahren. Er ist  und bleibt immer Teil unserer Chorgeschichte.

Im Übrigen stammt der Vorschlag zur Gründung des Chores aus der Singebewegung der FDJ, die SED- Bezirksleitung Berlin unterstützte ihn.

In den letzten 3 Jahrzehnten  hat der Ernst-Busch-Chor eine große Entwicklung genommen und mit dafür gesorgt, dass die deutschen und internationalen Arbeiterlieder, Solidaritäts- und Friedenslieder, Volkslieder aus aller Welt und Lieder des klassischen Erbes bewahrt wurden und werden.


Wir sind schon sehr traurig, dass unser größtes Vorhaben 2020, Konzerte zum 75. Jahrestag des Sieges in Moskau  zu geben, wegen Corona nicht stattfinden konnte. Das werden wir aber nachholen.


Wir waren in den über 4 Monaten nicht untätig, von Entzug also nichts zu merken. Jede Woche führte der künstlerische Leiter, Daniel Selke, digitale Proben mit uns durch, es gibt eine Pinnwand auf der Chorseite und eine Chatgruppe bei WhatsApp. Welcher Seniorenchor kann das schon von sich sagen.


Das Wichtigste ist und bleibt aber, dass wir uns umeinander kümmern. 

Und nun geht es wieder los, denn wir wollen noch sehr viel tun, wir werden gebraucht,


Ingrid Zander 



 

  

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