Mein Sohn, was immer auch aus dir werde 278
Text: Bertolt Brecht Musik: Hanns Eisler
Abspieler:
Mein Sohn, was immer auch aus dir werde:
sie steh'n mit Knüppeln bereit schon jetzt.
Denn für dich, mein Sohn, ist auf dieser Erde
nur der Schuttablagerungsplatz da, und der ist besetzt.
Mein Sohn lass es dir von deiner Mutter sagen:
Auf dich wartet ein Leben schlimmer als die Pest,
aber ich hab dich nicht dazu ausgetragen,
dass du dir das einmal ruhig gefallen lässt.
Frauen:
Was du nicht hast, das gib nicht verloren,
was sie dir nicht geben, sieh' zu, dass du's kriegst.
Denn, deine Mutter, hat dich nicht geboren,
dass du einst des Nachts unter Brückenbögen liegst.
Vielleicht bist du nicht aus besonderem Stoffe,
ich habe nicht Geld für dich noch Gebet
und ich baue auf dich allein, wenn ich hoffe,
dass du nicht an Stempelstellen lungerst und deine Zeit vergeht.
Abspieler:
Wenn ich nachts schlaflos neben dir liege,
fühl ich oft nach deiner kleinen Faust.
Sicher, sie planen mit dir jetzt schon Siege.
Was soll ich nur machen, dass du nicht ihren dreckigen Lügen traust.
Chor:
Deine Mutter, mein Sohn, hat dich nicht belogen,
dass du etwas ganz besonderes seist;
aber sie hat dich auch nicht mit Kummer aufgezogen,
dass du einmal im Stacheldraht hängst und nach Wasser schreist.
Abspieler:
Mein Sohn, drum halte dich an deinesgleichen,
damit ihre Macht wie ein Staub zerstiebt.
Du, mein Sohn, und ich und alle unsresgleichen
müssen zusammensteh'n und müssen erreichen,
Chor (2x):
||: dass es auf dieser Welt nicht mehr zweierlei Menschen gibt. :||