Ballade vom Wasserrad 14
M: Von den Großen dieser Erde melden uns die
Heldenlieder. Steigend auf so wie Gestirne,
gehn sie wie Gestirne nieder.
F: Das klingt tröstlich und man muß es wissen.
Nur für uns, die sie ernähren müssen, ist das leider immer ziemlich
gleich gewesen: Aufstieg oder Fall.
C: Wer trägt die Spesen?
R: Freilich dreht das Rad sich immer weiter. Das was oben ist,
nicht oben bleibt. Aber für das Wasser unten heißt das leider nur,
daß es das Rad halt ewig treibt.
M: Ach, wir hatten viele Herren, hatten Tiger und Hyänen,
F: hatten Adler, hatten Schweine,
C: doch wir nährten den und jenen,
F: ob sie besser waren oder schlimmer.
M: ach, der Stiefel glich dem Stiefel immer und uns
trat er. Ihr versteht: Ich meine
C: daß wir keine andern Herren brauchen, sondern keine!
R: Freilich dreht das Rad sich . . .
M: Und sie schlagen sich die Köpfe blutig um die Beute;
F: nennen einander gierige Tröpfe und sich selber gute Leute.
M: Unaufhörlich sehn wir sie einander grollen und
zerfleischen.
F: Einzig und alleinig, wenn wir sie nicht mehr ernähren wollen.
C: sind sie sich auf einmal plötzlich völlig einig!
R: Denn dann dreht das Rad sich nicht mehr weiter und
das heitre Spiel, es unterbleibt. Wenn das Wasser
endlich mit befreiter Stärke seine eigne Sach’ betreibt.