Am Abend ist ein Summen         21

(Das ferne Lied)

  1. Am Abend ist ein Summen,
    das seltsam uns durchdringt;
    Es ist das Heer der Stummen,
    das in der Ferne singt.
    Sie haben stumm gelitten,
    sie mussten stumm vergeh’n.
    Es summt als würden mitten,
    in uns sie still ersteh’n.
     
  2. Solo: O Leiden unermessen,
    die keiner je ermisst!
    Sagt, habt ihr schon vergessen,
    was uns geschehen ist?
    Es ist ein zitternd’ Fragen,
    das an das Herz uns rührt.
    Wer kann zu sagen wagen,
    dass keine Schuld er spürt!
     
  3. Der Wind raunt in den Zweigen
    von Spuren, die verweht.
    Die Toten schweigen, schweigen!
    Das Schweigen wird beredt.
    Es schweigen hoch die Sterne,
    und auch der Wind verstummt.
    Ein Lied singt in der Ferne
    Und summt in uns und summt.

 

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