Trotz alledem       118

T: F. Freiliggrath, 1848 / M: 18.Jh., Schottland

  1. Das war ’ne heiße Märzenzeit, trotz Regen,
    Schnee und alledem! Nun aber, da es Blüten schneit,
    nun ist es kalt, trotz alledem!
    Trotz alledem und alledem,
    trotz Wien, Berlin und alledem,
    ein schnöder, scharfer Winterwind durchfröstelt uns,
    trotz alledem!
     
  2. Die Waffen, die der Sieg uns gab,
    der Sieg des Rechts, trotz alledem,
    die nimmt man sacht uns wieder ab,
    samt Kraut und Lot und alledem!
    Trotz alledem und alledem,
    trotz Parlament und alledem,
    wir werden unsre Büchsen los,
    Soldatenwind trotz alledem!
     
  3. Und wenn der Reichstag sich blamiert,
    professorhaft trotz alledem,
    und wenn der Teufel reagiert
    mit Hut und Horn und alledem!
    Trotz alledem und alledem,
    es kommt dazu, trotz alledem, daß rings der Mensch
    die Bruderhand dem Menschen reicht, trotz alledem!
     
  4. Doch sind wir frisch und wohlgemut und zagen nicht,
    trotz alledem! In tiefer Brust des Zornes Glut,
    die hält uns warm, trotz alledem!
    Trotz alledem und alledem,
    es gilt uns gleich, trotz alledem!
    Wir schütteln uns, ein garst’ger Wind,
    doch weiter nichts, trotz alledem!

 

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