Nein, meine Söne geb ich nicht 273
Text u. Musik: Reinhard Mey
Chor singt Text:
Ich denk, ich schreib euch besser schon beizeiten
Und sag euch heute schon endgültig ab.
Ihr braucht nicht lange Listen auszubreiten,
Um zu sehen, dass ich auch zwei Söhne hab.
Ich lieb die beiden, das will ich euch sagen,
Mehr als mein Leben, als mein Augenlicht.
Und die, die werden keine Waffen tragen,
Nein, meine Söhne geb ich nicht!
Sprech-Solo Frau, Chor summt:
Ich habe sie die Achtung vor dem Leben,
Vor jeder Kreatur als höchsten Wert,
ich habe sie Erbarmen und Vergeben
Und wo es immer ging, lieben gelehrt.
Nun werdet ihr sie nicht mit Hass verderben,
Kein Ziel und keine Ehre, keine Pflicht
Sind’s wert, dafür zu töten und zu sterben.
Nein, meine Söhne geb ich nicht!
Chor singt Text:
Ganz sicher nicht für euch hat ihre Mutter
Sie unter Schmerzen auf die Welt gebracht.
Nicht für euch und nicht als Kanonenfutter.
Nicht für euch hab ich manche Fiebernacht
Verzweifelt an dem kleinen Bett gestanden
Und kühlt ein kleines glühendes Gesicht
Bis wir in der Erschöpfung Ruhe fanden.
Nein, meine Söhne geb ich nicht!
Sprech-Solo Mann, Chor summt:
Sie werden nicht in Reih und Glied marschieren,
Nicht durchhalten, nicht kämpfen bis zuletzt,
Auf einem gottverlassnen Feld erfrieren,
Während ihr euch in weiche Kissen setzt.
Die Kinder schützen vor allen Gefahren
Ist doch meine verdammte Vaterpflicht
Und das heißt auch, sie vor euch zu bewahren!
Nein, meine Söhne geb ich nicht!
Chor singt Text:
Ich werde sie den Ungehorsam lehren,
Den Widerstand und die Unbeugsamkeit
Gegen jeden Befehl aufzubegehren
Und nicht zu buckeln vor der Obrigkeit.
Ich wird sie lehr‘n, den eignen Weg zu gehen,
Vor keinem Popanz, keinem Weltgericht,
Vor keinem als sich selber gradzustehen.
Nein, meine Söhne geb ich nicht!
Sprech-Solo Frau (bis „Nacht“), Chor summt:
Und eher werde ich mit ihnen fliehen,
Als dass ihr sie zu euren Knechten macht.
Eher mit ihnen in die Fremde ziehen
In Armut und wie Diebe in der Nacht.
Chor singt Text:
Wir haben nur dies eine kurze Leben.
Ich schwör‘s und sag’s euch grade ins Gesicht:
Sie werden es für euren Wahn nicht geben.
Nein, meine Söhne geb ich nicht!